Schülerverbindung Litteraria

Schülerverbindung „Litteraria“ am Domgymnasium zu Merseburg

Entstehung und Wiedergründung der Litteraria

Die Schülerverbindung „Litteraria“ am Domgymnasium zu Merseburg e.V. ist eine Vereinigung aus aktiven und ehemaligen Schülern des Domgymnasium Merseburg. Dabei handelt es sich um eine farbentragende, jedoch unpolitische und nichtschlagende Verbindung. Die Litteraria blickt auf eine lange Geschichte zurück und wurde bereits am 4. Juni 1887 sowie in seiner endgültigen Form „am 18. Dezember 1890 von neun Obersekundanern in Schmidts Gasthof „Zum heiteren Blick“ in Leuna“ gegründet.“ Ein ausführlicher Bericht über die ersten Jahre unserer Verbindung findet sich u.a. in der Festschrift des Merseburger Tageblattes zur 350. Wiederkehr der Gründung des Domgymnasiums zu Merseburg 1925 mit zahlreichen Zeichnungen.

So steht geschrieben: „Es war das Verlangen, sich eine angenehme Erholung vom Schulzwange zu schaffen und sich aus eigenem Antriebe wissenschaftlich zu bilden“.

Aufgrund der Gleichschaltung von Vereinen während der Zeit des Nationalsozialismus wurde unsere Verbindung aufgelöst. Erst 2001 wurde die Schülerverbindung „Litteraria“ von sieben Schülern unseres Gymnasiums und mit großer Unterstützung und geschichtlicher Aufarbeitung durch den damaligen Lehrer Herrn A. Armbrüster wieder zum Leben erweckt und besteht seither.

Zielsetzung und Leitmotiv

Leitmotiv und Zielsetzung unserer Verbindung ist die vielseitige Unterstützung und Förderung des Domgymnasiums sowie die weitere Erforschung dieses besonderen Kapitels Schulgeschichte. So haben wir unser Gymnasium bei der technischen Ausstattung, Gestaltung des Schulhofes (Baumbepflanzung, Sitzbänke), Erneuerung der Bibliothek sowie Stipendien und Organisation von Schulveranstaltungen, wie dem jährlich stattfindenden Schulbowlingturnier unterstützt.

Dabei stehen wir für ein besonderes Gemeinschaftsgefühl, das sich generationen- und klassenübergreifend auch in unseren Wahlspruch „Vivat Circulus Fratrum!“ (Es lebe der brüderliche Kreis“) widerspiegelt.

Wichtige Erkennungszeichen unserer Verbindung sind das dreifarbige Band der Burschen und Alten Herren in unseren Verbindungsfarben Schwarz, Grün, Gold sowie unserer Fuxen in Schwarz, Gold (s. Abbildung rechts), das zugleich das Lebensbundprinzip einer Verbindung symbolisiert. Der Zirkel unserer Verbindung ist in der mittleren Abbildung zu sehen. Er diente früher als geheimes Erkennungszeichen der Bundesbrüder und Verbindungen untereinander. Dieses Monogramm setzt sich aus den verschlungenen Anfangsbuchstaben unseres Wahlspruchs V, C, F und einem L für Litteraria zusammen.

Die Farben Schwarz, Grün und Gold waren bereits Bestandteil der preußischen Provinz Sachsen zur Zeit der Gründung unserer Verbindung und sind ebenso im heutigen Landeswappen Sachsen-Anhalts zu finden.

Schülerverbindungen

Schülerverbindungen, auch Pennälerverbindung, Primanerverein, Abituria, Absolvia oder Schülerkorporation genannt, lehnen sich in Ihrer Organisationsform, Traditionen, und Zeichen an Studentenverbindungen an und existieren heute insbesondere im deutschsprachigen Raum in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Aufgrund einer Schulverordnung Preußens aus dem Jahre 1880 unterlagen Mitgliedschaften in Schülerverbindungen einem Verbot, weshalb viele Verbindungen als Primanerverein oder aber Sportclub getarnt waren. In den Jahresberichten des Kgl. Domgymnasium zu Merseburg wurde unsere Verbindung ab ca. 1900 als Primanerverein Litteraria u.a. unter der Leitung des damaligen Tutors Dr. Wedding aufgeführt. Um 1900 existierten so schätzungsweise rund 450 geheime Verbindungen an Gymnasien in Preußen, von denen heute nur noch wenige aktiv sind.

Fundstück des Monats 

Wir sind stets auf der Suche nach neuen Erkenntnissen über die Entstehung, das Zusammenleben und Wirken unserer Verbindung am Domgymnasium und möchten deshalb nachfolgend unseren Fund des Monats präsentieren und näher erläutern.

Bierzeitung zur Kneipe der ehemaligen Untersekunda aus Anlass der Versetzung nach Obersekunda, 11. April 1924

Als Kneipe wird innerhalb des Verbindungsleben eine festliche Veranstaltung bezeichnet, die dem Comment (Regeln für das Zusammenleben) folgt und meist mit dem Singen von Liedern, dem Abhalten bestimmter Riten und Reden verbunden ist. Alle Mitglieder der Verbindung tragen dabei ihre Couleur. (Woher der Begriff Couleur stammt und was dies umfasst, erklären wir in einem der nächsten Beiträge.). Je nach Anlass wird so z.B. zwischen einer Semesterankneipe, zu Beginn eines neuen Semesters, einer Kreuzkneipe, der Feier zwei befreundeter Verbindungen oder wie in diesem Falle einer Kneipe zum Anlass der Versetzung in eine höhere Klasse, d.h. zum Ende eines Schuljahres, unterschieden. Die Bierzeitung dient dazu, das zu einer Kneipe Erlebte festzuhalten und nachfolgende Generationen an Spott und Witz aus Schul- und Studienzeit teilhaben zu lassen. Übrigens wurden zur Zeit der Weimarer Republik zunehmend, die seit dem 18. Jhd. innerhalb von Verbindungen geltenden Bestimmungen des „sozialverträglichen“ Verhaltens, d.h. eine dem Alkohol zugeneigte Verhaltensweise verdrängt

In den 1920er Jahren wurde zunehmend Wert auf eine gesunde Ernährung- und Lebensweise gelegt und einige Verbindungen warben aktiv damit, den Bierzwang abgeschafft zu haben. Auch bei uns unterliegt selbstverständlich niemand einem Bierzwang – heiter und ausschweifend werden unsere Zusammenkünfte und Veranstaltungen dennoch!

Bemerkenswert ist, dass alle Festschriften und Zeitungen von Hand verfasst und meist aufwendig gestaltet wurden. So bestehen einige Zeitungen aus zahlreichen Karikaturen. Die hier zu sehende Bierzeitung wurde in Sütterlin verfasst und gleicht in seiner Aufmachung einer Tageszeitung. Unterhaltsam sind dabei insbesondere die auf der Rückseite verfassten Anzeigen. Die auf einer Kneipe anwesenden Personen wurden dabei nie persönlich erwähnt. Vielmehr erhielten Mitglieder einer Verbindung sogenannte „Biernamen“ mit denen sie zitiert und auch auf einer Kneipe angesprochen wurden.